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milkysilvermoon

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Ein neues Leben

Dein fremdes Herz - Kati Seck

Nürnberg im November 2018: Nela Harolds muss in sehr kurzer Zeit zwei Nachrichten verkraften. Sie soll ihre Wohnung schon bald wegen Eigenbedarf räumen. Und durch ein Paket mit Briefen erfährt sie, dass ihr Vater, der sie und ihre Mutter Mathilde vor etlichen Jahren plötzlich und ohne Erklärung verlassen hat, nach dem Tod sein Herz gespendet hat. Durch Ellen, seine zweite Frau, findet sie heraus, dass das Organ vor 15 Jahren an einen Teenager, Maximilian, ging. Die Briefe stellen Nelas Welt völlig auf den Kopf. Sie beschließt, an die Ostsee zu fahren, um den Empfänger der Organspende zu treffen. Damit beginnt eine Reise, die ihr Leben verändern wird…

 

„Dein fremdes Herz“ ist ein anrührender Roman von Kati Seck.

 

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 42 Kapiteln mit einer angenehmen Länge und endet mit einem Prolog („Zehn Monate später“). Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Nela. Immer wieder eingestreut sind Briefe von Ellen, die überwiegend vor einigen Jahren verfasst wurden. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

 

Besonders beeindruckt hat mich der tolle Schreibstil. Er ist nicht nur anschaulich, lebhaft, einfühlsam und atmosphärisch, sondern auch poetisch und in sprachlicher Hinsicht sehr gelungen. Zahlreiche Bilder und Metaphern machen das Lesen zu einem Genuss.  Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

 

Mit Nela steht eine sehr sympathische Protagonistin im Vordergrund. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt lässt sich gut nachvollziehen. Maximilian ist ebenso ein liebenswerter Charakter. Auch die übrigen Personen sind vielschichtig dargestellt und wirken auf mich realitätsnah.

 

Thematisch befasst sich der Roman vor allem mit der Organspende, was meine Neugier geweckt hat. Mir gefällt sehr gut, dass die Autorin sich damit einer Angelegenheit widmet, über die sich jeder einmal Gedanken machen sollte. Die Geschichte liefert Stoff zum Nachdenken und hebt sich angenehm von seichten Liebesromanen ab. Positiv anzumerken ist, dass dabei weder ein Missionierungseifer noch der erhobene Zeigefinger zu erkennen sind. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens das Nachwort der Autorin, das mit „Danksagung“ überschrieben ist. Dort geht sie auf die Thematik des Romans ein und erklärt ihre Beweggründe dafür.

 

Immer wieder gelingt es der Autorin, mich mit der Geschichte emotional zu erreichen. Dadurch lässt sich für mich auch verschmerzen, dass die Handlung stellenweise ein wenig zu vorhersehbar ist. Die eine oder andere unerwartete Wendung hätte dem Roman sicherlich gutgetan. Ein wenig gestört hat mich zum Ende hin außerdem eine für meinen Geschmack übertriebene Dramatik. Dennoch habe ich mich im Großen und Ganzen prima unterhalten gefühlt.

 

Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet und passt meiner Ansicht nach gut zum Inhalt. Der prägnante Titel greift durch die Doppeldeutigkeit des Wortes „Herz“ die emotionale Komponente auf und ist sehr treffend gewählt.

 

Mein Fazit:
„Dein fremdes Herz“  von Kati Seck ist ein kurzweiliger Roman, der mich nicht nur unterhalten, sondern auch bewegen konnte. Trotz kleinerer Schwächen hat mir die Geschichte schöne Lesestunden bereitet. Besonders aufgrund des Schreibstils kann ich sie empfehlen.

Eines Tages sind sie einfach da

Ein wirklich erstaunliches Ding - Hank Green

Übermüdet macht sich April May nachts um 3 Uhr auf den Nachhauseweg. Die 23-jährige Grafikdesignerin hat noch lange gearbeitet und sehnt sich nach ihrem Bett, als sie mitten in Manhattan eine überlebensgroße Roboterskulptur entdeckt. Schnell ist ihr Kumpel Andy Skampt zur Stelle, um ein Video fürs Netz zu drehen von dieser Art Kunstprojekt – so jedenfalls interpretiert es die junge Frau, die das Ding kurzerhand Carl tauft. Als April am nächsten Tag aufwacht, ist das Video über YouTube viral gegangen und wurde überall angeschaut. Mehr noch: Plötzlich sind auch in Dutzenden anderen Städten der Welt solche Carls aufgetaucht. Was hat es bloß mit ihnen auf sich? Unverhofft wird April May zur Expertin für die riesigen Skulpturen deklariert und steht im Zentrum des internationalen Interesses, was nicht nur positive Folgen hat…

„Ein wirklich erstaunliches Ding“ ist der Debütroman von Hank Green.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 25 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von April May. Dieser Aufbau funktioniert prima.

Der Schreibstil ist flott, locker, flüssig und anschaulich. Die Sprache ist zum Teil ziemlich flapsig und frech, definitiv recht umgangssprachlich, was aber ganz gut zu dieser Generation passt. Hilfreich für die Lektüre ist die Kenntnis der modernen Jugendsprache. Normalerweise mag ich es nicht, wenn sich der Erzähler an den Leser richtet. In diesem Fall hat mich die direkte Ansprache aber nicht gestört, weil es gut mit dem restlichen Schreibstil harmoniert. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

April May, deren Name ich übrigens nicht besonders originell finde, ist ein interessanter Charakter. Mir hat gut gefallen, dass sie als bisexuelle, etwas chaotische, aber durchaus selbstbewusste und aufgeweckte Person beschrieben wird. Auch wenn ich mich nicht in allen Punkten mit ihr identifizieren konnte, habe ich ihre Geschichte ganz gerne verfolgt. Sie wird etwas überspitzt und weniger realitätsnah dargestellt, ist aber eine unterhaltsame Protagonistin.

Auch inhaltlich wirkt die kreative Geschichte stellenweise übertrieben und abgedreht. Aber im Großen und Ganzen habe ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt. Trotz der eher umfangreichen Seitenzahl wird das Lesen nicht langweilig. Es gibt mehrere Überraschungen.  Zudem kommt der Humor nicht zu kurz.

Der wohl größte Pluspunkt des Romans ist seine sehr aktuelle Thematik. Es geht um das Internet, YouTube, die sozialen Medien und alles, was damit zusammenhängt. Dabei wird eine gesellschaftskritische Komponente deutlich: Die Gier nach Klicks, die negativen Folgen, die mit der Berühmtheit im Internet einhergehen können, und die Schnelligkeit, mit der sich Beiträge übers Netz verselbstständigen können, werden dargestellt.

Das Cover entspricht nicht ganz meinem Geschmack, aber passt zur Geschichte. Positiv hervorzuheben ist, dass sich der Titel stark am amerikanischen Original orientiert.

Mein Fazit:
Seinem Bruder John kann Hank Green in schriftstellerischer Hinsicht (noch) nicht das Wasser reichen. Dennoch hat „Ein wirklich erstaunliches Ding“ mir unterhaltsame Lesestunden bereitet.

Zwei Generationen

Fünf Tage im Mai - Elisabeth R. Hager

Illy, die eigentlich Leonore heißt, war schon immer anders. Sie ist ein Wildfang mit einem scharfen Verstand. Auch ihr Urgroßvater Korbinian Hofer, den sie liebevoll Tat'ka nennt, ist ein ungewöhnlicher Mensch. Der Mann im Greisenalter ist der letzte Fassbinder Tirols und der Älteste in seinem Dorf. Obwohl die beiden viele Jahre trennen und sie ein ungleiches Gespann sind, verbringen sie gerne ihre Zeit miteinander. Wenn Illy an ihren freien Nachmittagen bei ihm in der Werkstatt sitzt, erzählt er ihr Geschichten und erklärt ihr sein Handwerk. Die Urenkelin teilt mit ihm wiederum ihre Geheimnisse. Doch eines Tages muss Illy erkennen, dass sie eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen treffen muss…

„Fünf Tage im Mai“ ist ein berührender Roman von Elisabeth R. Hager.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus fünf Kapiteln. Jedes ist einem Tag im Mai zugeordnet, aber in unterschiedlichen Jahren: 1986, 1996, 1998 und 2004. Dazwischen gibt es Zeitsprünge. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Illy. Dieser Aufbau gefällt mir gut.

Der Schreibstil ist locker, flüssig und anschaulich. Er ist geprägt von einem warmherzigen Blick auf den Urgroßvater. Gestört hat mich, dass so viel Dialekt im Text eingebaut ist. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir jedoch leicht.

Uropa und Urenkelin stehen im Mittelpunkt des Romans. Mit seiner eigenwilligen, aber liebevollen Art ist mir Tat'ka schnell ans Herz gewachsen. Auch Illy war mir schon nach wenigen Seiten sympathisch. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt wird sehr gut deutlich. Beide Charaktere wirken absolut authentisch.  

Die Geschichte setzt weniger auf Spannung als auf ruhige Töne. Dennoch ist der Roman nicht langweilig, was nicht nur der eher geringen Seitenzahl geschuldet ist. Mich konnte die Geschichte durchaus emotional berühren, denn es geht um Themen, die viele ansprechen: Liebe, das Erwachsenwerden, Freundschaft, Verlust und einiges mehr.

Das Cover wirkt sehr modern und gleichzeitig nostalgisch. Das gefällt mir gut. Inhaltlich erschließt es sich mir leider nicht. Allerdings ist der Titel des Romans umso passender gewählt.

Mein Fazit:
„Fünf Tage im Mai“ von Elisabeth R. Hager ist eine anrührende Lektüre, die mir unterhaltsame Lesestunden beschert hat.

Der persönliche Rachefeldzug

Die Farben des Feuers - Pierre Lemaitre

Paris im Jahr 1927: Der bekannte französische Bankier Marcel Péricourt stirbt und wird zu Grabe getragen. Seine 36-jährige Tochter Madeleine steht plötzlich alleine an der Spitze des Bankenimperiums. Ihr Exmann sitzt nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis, ihr Sohn Paul (7) ist nach einem Sturz querschnittsgelähmt. In einer Zeit, in der Frauen wenig Rechte haben, buhlen  Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Pericourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die Gunst der Erbin. Währenddessen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch Madeleine hat keineswegs vor aufzugeben und verfolgt ihren eigenen Plan…  

„Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre ist ein ungewöhnlicher historischer Roman.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 44 Kapiteln mit einer angenehmen Länge sowie einem Epilog. Ein Teil der Handlung spielt in den Jahren 1927 bis 1930. Der überwiegende Teil der Geschichte ist im Jahr 1933 angesiedelt. Dabei gibt es immer wieder Rückblenden. Erzählt wird nicht nur aus der Sicht von Madeleine, sondern von mehreren Personen. Dieser Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil ist ungewöhnlich, was ich grundsätzlich gut finde. In diesem Fall tendiere ich aber eher dazu, ihn nicht zu mögen - obwohl ich zugeben muss, dass der Autor es versteht, mit Sprache umzugehen. Die wiederkehrende direkte Ansprache des Lesers sagt mir nicht zu. Viele Sprünge und einige Abschweifungen machen das Lesen zudem etwas anstrengend. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir jedoch leicht.

Im Mittelpunkt steht mit Madeleine eine Protagonistin, die mir nicht besonders sympathisch war. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt ließ sich jedoch gut nachvollziehen. Auch mit vielen der übrigen Charaktere werde ich nicht warm. Positiv anzumerken ist jedoch, dass die meisten Personen authentisch wirken und detailliert dargestellt werden.

Das Setting und die Grundidee der Geschichte haben mich sofort angesprochen. Auf gelungene Weise werden Fakten und Fiktion miteinander verwoben. In vielen Einzelheiten zeigt sich die fundierte Recherche des Autors. Die Handlung nimmt dabei nur langsam Fahrt auf, die Spannung steigert sich aber. Trotz der recht hohen Seitenzahl hat der Roman nur wenige Längen.

Das stimmungsvolle Cover passt gut in die beschriebene Zeit und ist ansprechend gestaltet. Der deutsche Titel ist nicht nur treffend gewählt, sondern auch erfreulich nah am französischen Original.

Mein Fazit:
„Die Farben des Feuers“ von Pierre Lemaitre ist eine Lektüre, die sich vor allem für geschichtlich und politisch interessierte Leser eignet. Ein historischer Roman, der für mich nicht ganz an „Drei Tage und ein Leben“ desselben Autors heranreicht, aber unterhaltsame Lesestunden bereitet.

Er liebt sie, er liebt sie nicht

Die zehn Lieben des Nishino - Hiromi Kawakami

Nishino Yukihiko fällt es nicht schwer, Frauen kennenzulernen. Fremde, Kolleginnen und andere diverse Bekanntschaften: Immer wieder gelingt es ihm, eine Bettgefährtin zu finden. Nicht selten läuft sogar mit mehreren gleichzeitig etwas. Er ist ein scheinbar guter Liebhaber, doch keine Beziehung kann er lange aufrechterhalten. Obwohl er durchaus an einer ernsthaften Liebe interessiert ist, will sich keine längere Zeit mit ihm binden. Doch woran liegt das?

„Die zehn Lieben des Nishino“ ist ein gelungener Roman von Hiromi Kawakami.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus zehn Kapiteln – jedes ist einer Frau zugeordnet. Erzählt wird jeweils in der Ich-Perspektive aus der Sicht der früheren Liebschaften Nishinos – allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge. Dieser Aufbau gefällt mir sehr gut.

Auch in sprachlicher Hinsicht hat mich der Roman beeindruckt. Der Schreibstil ist klar und schnörkellos, aber doch poetisch, bildhaft und eindringlich. Mit nur wenigen Sätzen gelingt es der Autorin viel auszudrücken. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

Nishino steht klar im Mittelpunkt der Geschichte. Seine etwas unterkühlte Art und sein häufiges Fremdgehen haben mir ihn nicht gleich sympathisch gemacht. Allerdings ist er ein absolut reizvoller Charakter, der bis zum Schluss etwas geheimnisvoll und unnahbar bleibt. Stück für Stück wird seine Lebensgeschichte enthüllt. Darüber hinaus führt die Autorin zehn recht unterschiedliche Frauen ein. Die Personen wirken durchweg authentisch.

Obwohl der Leser quasi zehn verschiedene Geschichten in der Geschichte präsentiert bekommt, gibt es durchaus einige Parallelen zwischen den Kapiteln, was sicherlich größtenteils dem Protagonisten geschuldet ist. Auch der Grundton der einzelnen Geschichten, eine gewisse Melancholie, ist allen gemein. Dennoch kommt beim Lesen keine Langeweile auf, was nicht nur an der eher geringen Seitenzahl liegt.

Inhaltlich steht natürlich die Liebe im Vordergrund, die jedoch nicht auf kitschige Weise dargestellt wird. Dabei gelingt es der Autorin, ein Bild der modernen japanischen Gesellschaft zu zeichnen und zum Nachdenken über die Bedeutung von Liebesbeziehungen anzuregen.

Das Cover und die hochwertige Aufmachung der gebundenen Ausgabe gefallen mir optisch sehr gut, wobei ich den thematischen Bezug nicht erkennen kann, weil im Buch nur Goldfische, aber keine Kois auftauchen. Den Titel finde ich allerdings ziemlich passend.

Mein Fazit:
„Die zehn Lieben des Nishino“  von Hiromi Kawakami ist ein ungewöhnlicher Roman der leisen Töne, der mich begeistern konnte. Ich werde mir nun auch die anderen Bücher der Autorin einmal genauer ansehen.

Zwei Hunde auf einer gefährlichen Reise

Die Ballade von Max und Amelie - David Safier

Die Hündin Narbe lebt auf einer Müllkippe und schlägt sich dort durch, nachdem ihr Bruder ihr in einem Kampf ein Auge herausgerissen hat. Sie hat viel von ihrem Lebensmut verloren, als plötzlich der Hund Max bei der Müllkippe aufgetaucht. Sie bewahrt ihn davor, von Menschenkindern erschlagen zu werden. Er wiederum  überzeugt sie, ihn auf der Suche nach seiner Menschenfamilie zu begleiten. Zusammen begeben sich die beiden auf eine gefährliche Reise…

„Die Ballade von Max und Amelie“ ist ein fantasievoller Roman von David Safier.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 72 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Hündin Narbe, die später Amelie heißt. Der Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich. Sprachlich ist der Roman an eine Ausdrucksweise angepasst, die auch von Hunden verwendet werden könnte, falls sie tatsächlich ähnlich wie Menschen denken würden. Das gefällt mir gut, obgleich dieser Versuch nicht immer ganz konsequent durchgehalten wird. Als etwas störend habe ich empfunden, dass es mehrere Vorausdeutungen gibt, die gewisse Aspekte vorwegnehmen. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

Die Idee, einen Erwachsenenroman zu schreiben, bei dem Hunde die Protagonisten sind, finde ich schön. Als Hauptcharaktere sind mir Narbe und Max schnell sympathisch gewesen. Beide sind recht unterschiedlich, haben aber positive Eigenschaften: Bei Narbe sind es Mut und Kampfgeist, bei Max ist es seine sanfte, liebevolle Art. Wie in einer Fabel sprechen die Hunde nicht nur innerhalb ihrer Art, sondern auch mit anderen Tieren.

Von Beginn an verspricht die Geschichte Abwechslung und Spannung. Sie nimmt gleich Fahrt auf und bleibt trotz eines eher ruhigen Mittelteils kurzweilig.

Ein Pluspunkt des Romans ist es auch, dass er sowohl traurige als auch lustige Passagen beinhaltet. Mehrfach konnte mich die Geschichte bewegen. Das liegt auch daran, dass es um universelle Themen wie Liebe, Freundschaft, Krankheit und Leid geht. Somit regt das Buch durchaus zum Nachdenken und Mitfühlen an. Leider spielt der Reinkarnationsaspekt eine zu große Rolle. Während der Autor das Thema in „Mieses Karma“ noch eher augenzwinkernd und sehr humorvoll behandelt, driftet „Die Ballade von Max und Amelie“ stark ins Spirituelle und zum Teil auch ins Kitschige ab. Vor allem gegen Ende wirkt die Geschichte damit übertrieben.

Das Cover ist stimmig. Die hübsche Gestaltung wird im Inneren des Hardcovers aufgegriffen, denn  zu Beginn der Kapitel ist jeweils eine  Hundesilhouette abgebildet ist. Der Titel ist durchaus passend.

Mein Fazit:
Mit „Die Ballade von Max und Amelie“ konnte mich David Safier nicht restlos begeistern. Eine kurzweilige, unterhaltsame Geschichte ist es dennoch – vor allem für Tierfreunde.

Eine Ode ans Leben

Agathe - Anne Cathrine Bomann, Franziska Hüther

Paris im Jahr 1948: Ein 71-jähriger Psychiater hat nur noch wenige Monate bis zu seinem Ruhestand.  Er kann es kaum erwarten und zählt bereits die letzten Tage. Die Probleme seiner Patienten sind ihm egal geworden, die Arbeit langweilt ihn. Er möchte auf keinen Fall noch weitere Termine einschieben. Doch Agathe Zimmermann, eine Frau in ihren Vierzigern, ist hartnäckig und lässt sich einfach nicht von seiner Sekretärin, Madame Surrugue, abwimmeln. Durch die Treffen mit der gebürtigen Deutschen verändert sich für ihn alles…

 

„Agathe“ ist der gelungene Debütroman von Anne Cathrine Bomann.

 

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus fast 40 kurzen Kapiteln mit jeweils knappen Überschriften. Eingefügt sind Auszüge aus Agathes Krankenakte sowie weitere Notizen. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht des Psychiaters. Dieser Aufbau funktioniert prima.

 

Der Schreibstil ist sehr besonders. Er ist reduziert, aber dennoch gut verständlich, einfühlsam und eindringlich. Die Sprache ist bildstark und stellenweise poetisch. Der Autorin gelingt es auf beeindruckende Weise, mit nur wenigen Worten viel auszudrücken. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

 

Im Mittelpunkt steht – anders als es der Romantitel vermuten lässt – nicht die Frau, sondern der gealterte Psychiater. Nichtsdestotrotz spielt Agathe natürlich in der Geschichte eine sehr wichtige Rolle. Beide sind recht spezielle, aber reizvolle Charaktere, die mit ihrer liebenswerten Art meine Sympathie gewinnen konnten. Ihre Darstellung wirkt authentisch.

 

Das Setting hat mir sehr gut gefallen. Im Vordergrund stehen die Themenbereiche Psychologie und Philosophie. Dabei geht es sowohl um psychische Erkrankungen als auch um Lebensweisheiten. Dies macht den Roman zu einer tiefgründigen Lektüre, die zum Nachdenken animiert. Dazu passt die oft melancholisch anmutende Atmosphäre.

 

Allerdings stimmt der Roman nicht nur ernste, sondern auch heitere Töne an. Mehrfach konnte mich die Geschichte emotional berühren, denn es tauchen immer wieder universelle Aspekte wie Liebe, Freundschaft und Nähe auf.

 

Eine weitere Stärke des Romans ist es, dass er viel Raum für eigene Interpretationen und Gedanken lässt. Die schöne Botschaft der Geschichte wird dabei jedoch klar deutlich: Auch die kleinen Dinge des Lebens können glücklich machen.

 

Das Cover finde ich sehr hübsch. Ein indirekter Bezug zur Geschichte ist erkennbar. Der prägnante Titel wurde von dem Original übernommen.

 

Mein Fazit:
„Agathe“ von Anne Cathrine Bomann ist ein kurzer, aber besonderer Roman. Die Geschichte verfügt über viel Charme und zählt schon jetzt zu meinen Lesehighlights des Jahres. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Blondes Gift?

Stella - Takis Würger

Berlin im Kriegsjahr 1942: Friedrich, ein stiller junger Mann aus wohlhabendem Haus, kommt nach Nazi-Deutschland. In einer Kunstschule trifft der Schweizer, dessen Mutter sich als Künstlerin definiert, die attraktive Kristin. Die Blondine nimmt Friedrich mit in die verbotenen Jazzclubs. Sie singt. Beide trinken und feiern zusammen. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Die beiden werden zu einem Paar. Doch eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht. Sie gesteht: „Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt." Sie heißt Stella, ist Jüdin und hat ein furchtbares Geheimnis…

„Stella“ von Takis Würger ist ein sehr besonderer historischer Roman.

Meine Meinung:
Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Friedrich. Jedes Kapitel beginnt mit einer Aufzählung von historischen Ereignissen in diesem Monat. Eingebettet sind Briefe und die protokollierten Zeugenaussagen aus einem Prozess. Darüber hinaus endet der Roman mit einem Epilog. Dieser Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil wirkt recht reduziert und schnörkellos, aber dennoch intensiv und fesselnd. Mit nur wenigen Worten und Sätzen entfaltet sich immer wieder eine Sprachgewalt, die das Können des Autors eindrucksvoll demonstriert. Viel wörtliche Rede, eine dichte Atmosphäre und pointierte Formulierungen kennzeichnen den Roman.

Mit Friedrich und Stella stehen zwei reizvolle, recht unterschiedliche Charaktere im Mittelpunkt. Beide habe ich als interessant empfunden. Auch die übrigen Personen wirken authentisch.

Fakten und Fiktion werden auf gekonnte Weise miteinander verwoben. Gut gefallen hat  mir, dass der Roman mit Stella Goldschlag eine historische Persönlichkeit in den Fokus nimmt: die jüdische Gestapo-Kollaborateurin, die während des Zweiten Weltkriegs versteckte Juden in Berlin aufspürte und sie denunzierte. Der Roman hat mich dazu inspiriert, mehr über diese Frau erfahren zu wollen.

Darüber hinaus bietet die Geschichte viel Stoff zum Diskutieren und Nachdenken. Es geht um Schuld, Verrat, Moral, Liebe und den Kampf ums Überleben in einer grausamen Zeit. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen: Wie hätte ich selbst gehandelt? Das macht den Roman zu einer anspruchsvollen und schwer verdaulichen, aber auch lohnenden Lektüre.

Das kontrastreiche Cover und die tolle Aufmachung des Hardcovers sind äußerst gelungen. Auch der prägnante Titel passt gut zum Inhalt und trifft meinen Geschmack.

Mein Fazit:
„Stella“ von Takis Würger ist ein sprachlich herausragender, aufwühlender und berührender Roman. Eine beeindruckende Lektüre, die ich wärmstens empfehlen kann und die noch eine Weile bei mir nachhallen wird.

Die Bedeutung des Todes

Die Unsterblichen: Roman - Chloe Benjamin, Norbert Möllemann, Charlotte Breuer

New York im Sommer 1969: Die Geschwister Simon (7), Klara (9), Daniel (11) und Varya (13) Gold werden zum Opfer ihrer Neugier. Sie lassen sich von einer Wahrsagerin, die sich gerade in der Stadt aufhält, den exakten Tag ihres Todes voraussagen. Die Älteste wird demnach mit einem langen Leben rechnen können, dem Jüngsten wird ein früher Tod prophezeit. Die vorhergesagten Sterbedaten wirken sich auf die Biografien der vier Geschwister aus. Während Simon und Klara versuchen, das Leben in vollen Zügen zu genießen, gehen es Daniel und Varya ruhiger an.

„Die Unsterblichen“ von Chloe Benjamin ist ein ungewöhnlicher Roman.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt mit einem Prolog, der ins Jahr 1969 entführt. Anschließend folgen vier Teile, wovon jeder einem der vier Geschwister gewidmet ist und mehrere Jahre umfasst. Sie sind chronologisch angeordnet und fügen sich nahtlos aneinander. Die einzelnen Teile sind wiederum in mehrere Kapitel untergliedert. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

Der Schreibstil ist angenehm und wirkt durch viel wörtliche Rede recht lebhaft. Erzählt wird im Präsens. Obwohl der Roman recht unaufgeregt ist, konnte er mich fesseln. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

Die vier Protagonisten sind recht unterschiedliche, aber reizvolle Charaktere. Sie werden detailliert und authentisch dargestellt. Ich habe gerne ihre Lebenswege verfolgt.

Die Stärke des Romans sind seine inhaltliche Tiefe und seine Komplexität. Er wirft interessante Fragen auf:  Beeinflusst das Wissen über den eigenen Todestag das Leben? Führen solche Vorhersagen zu selbsterfüllenden Prophezeiungen? Und was macht überhaupt ein erfülltes Leben aus? Die Geschichte regt zum Nachdenken an und bereitet diese Thematik sehr gut auf. Die Grundidee des Romans ist sehr kreativ, die Umsetzung überzeugend.

Trotz der eher hohen Seitenzahl kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Das liegt daran, dass diese Familiengeschichte mich emotional bewegen konnte. Ein Pluspunkt ist darüber hinaus, dass immer wieder interessante geschichtliche Fakten mit der fiktiven Handlung verwoben sind.

Das Cover, das sich an der amerikanischen Originalausgabe orientiert, hat keine starke Aussagekraft, gefällt mir jedoch sehr. Der prägnante Titel ist ebenfalls von der Vorlage („The immortalists“) übernommen. Er ist inhaltlich natürlich nicht korrekt, passt aber dennoch ganz gut.

Mein Fazit:
„Die Unsterblichen“ von Chloe Benjamin ist ein kreativer Roman. Eine empfehlenswerte Geschichte, die nachdenklich macht und berührt.

Eine Reise zurück ins Leben

Dein Bild für immer - Julia Hanel

Eigentlich wollten sie bald heiraten, doch vorher schlägt das Schicksal brutal zu. Bei einem Unfall kommt ihr Verlobter Maximilian Huber, ein Rechtsanwalt aus München, ums Leben. Für Sophie Silber bricht die Welt zusammen.  Die 28-Jährige ist in tiefer Trauer und hat gerade erst ihren Liebsten zu Grabe getragen, da flattert ein Brief ins Haus: Maximilian hatte heimlich schon die Flitterwochen auf Bali für die beiden gebucht. Weil die Tickets schon bezahlt sind und nicht mehr zurückgegeben werden können, entscheidet sich Sophie schweren Herzens, die Reise allein anzutreten. Sie hat eine Mission: An jedem Ort, den sie mit Maximilian bereisen wollte, will sie ein Bild von ihm hinterlassen. Schon im Flieger kreuzt Fotograf Niklas ihren Weg, der für die Arbeit für einen Reiseführer auf die Insel gekommen ist. Sie beschließen, sich zusammen auf den Weg zu machen.

„Dein Bild für immer“ ist ein berührender Liebesroman von Julia Hanel.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus vielen, eher kurzen Abschnitten. Sie sind abwechselnd aus der Sicht von Sophie und der von Niklas geschrieben. Die Übergänge sind harmonisch und sinnvoll gestaltet. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

Der Schreibstil ist locker, anschaulich, lebhaft und zugleich einfühlsam. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht und ich habe das Buch nur ungern zur Seite gelegt.

Sowohl Sophie als auch Niklas, die zwei Protagonisten, waren mir schon nach den ersten Seiten sympathisch. Die Gefühls- und Gedankenwelt der beiden lässt sich gut nachvollziehen. Sie werden realitätsnah dargestellt.

Die Handlung ist abwechslungsreich. Beim Lesen kommt keine Langeweile auf, denn die Geschichte ist durchweg unterhaltsam.

Die Beschreibungen der Insel lösen Fernweh aus. Durch die Themen Tod und Trauer konnte mich der Roman auch emotional bewegen. Dabei wird die Geschichte nicht zu düster und deprimierend, denn der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Allerdings wirkt die Handlung aufgrund mehrerer Zufälle ein wenig zu konstruiert. Zudem ist die Grundidee der Geschichte weder neu noch besonders originell. Diese beiden Punkte haben den Lesegenuss jedoch nur geringfügig geschmälert.

Das Cover ist liebevoll gestaltet, trifft aber nicht ganz meinen Geschmack. Den Titel wiederum finde ich sehr passend.

Mein Fazit:
„Dein Bild für immer“ von Julia Hanel ein gefühlvoller und unterhaltsamer Roman. Er hat mir schöne Lesestunden bereitet.

Dunkle Geheimnisse

Zwei wie du und ich: Roman - Lucy Robinson, Sonja Fehling

Annabel Mulholland, kurz Annie, steckt in einer beruflichen Situation fest, mit der sie nicht besonders glücklich ist, als ihr Stephen Flint über den Weg läuft. Der Firmenchef bietet der 32-Jährigen einen Job an, den sie annimmt. Annie ist sich bewusst, dass sie sich nicht in ihren Chef verlieben sollte – erst recht nicht wegen ihrer traumatischen Vergangenheit. Doch sie erliegt seinem Charme. Auch Kate Brady hat ein Geheimnis und verfällt ihrem neuen Chef, obwohl sie das eigentlich nicht wollte. Als Praktikantin bei dem bekannten Springreiter Mark Waverly wollte sie nur einen Neuanfang starten. Bei beiden Frauen scheint das Glück zum Greifen nah, doch ihre Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln.

 

„Zwei wie du und ich“ von Lucy Robinson ist die Neuauflage eines Romans, der zunächst mit dem Titel „Der Tag, an dem wir verschwanden“ veröffentlicht wurde.

 

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 33 Kapiteln. Erzählt wird in der Ich-Perspektive abwechselnd aus der Sicht von Kate und Annie. Darüber hinaus gibt es zwischen einigen Kapiteln Einschübe mit Rückblenden in die Vergangenheit. Dieser Aufbau funktioniert gut.

 

Der Schreibstil ist locker und anschaulich. Der Roman liest sich sehr flüssig. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

 

Obwohl beide Protagonistinnen zunächst etwas geheimnisvoll und rätselhaft sind, waren mir Kate und Annie schon nach kurzer Zeit sympathisch. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt lässt sich gut nachvollziehen. Im Großen und Ganzen wirken beide realitätsnah. Das gilt auch für die Nebenfiguren, die ebenfalls gut herausgearbeitet werden.

 

Ein Pluspunkt des Buches ist es, dass es sich hierbei um mehr als einen gewöhnlichen Liebesroman handelt. Die Geheimnisse aus der Vergangenheit lassen beim Lesen Spannung aufkommen. Trotz der eher hohen Seitenzahl bleibt der Roman kurzweilig. Vor allem gegen Ende bietet die Geschichte einige Überraschungen und eine unerwartete Auflösung.

 

Durch die Hintergrundthematik, nämlich die traumatischen Erlebnisse aus der Vergangenheit, erhält der Roman eine ernste Note. Dabei konnte mich die Geschichte nicht nur fesseln, sondern auch emotional bewegen.

 

Das Cover gefällt mir optisch sehr gut, obwohl es für den Inhalt des Romans vielleicht ein wenig zu harmonisch ausfällt. Den deutschen Titel finde ich nicht so treffend wie das Original („The Day We Disappeared“).

 

Mein Fazit:
„Zwei wie du und ich“ von Lucy Robinson ist ein spannender, unterhaltsamer Roman, der mehr als nur eine gewöhnliche Liebesgeschichte erzählt. Das Buch hat mir schöne Lesestunden beschert.

Ein Neubeginn in der Provinz

Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick (Die Redwood-Love-Trilogie, Band 1) - Kelly Moran, Vanessa Lamatsch

In Redwood, einer Kleinstadt im US-Staat Oregon, betreibt Cade O’Grady, Ende 20, mit seinen Brüdern eine Tierarztpraxis. Als die attraktive Avery Stowe nach einer desaströsen Ehe mit ihrer autistischen Tochter Hailey aus dem sonnigen Kalifornien in die Stadt zieht, um in der Nähe ihrer Mutter Justine Berry zu sein, und einen Job am Empfang der Tierklinik beginnt, stellt sie sowohl die Praxis als auch sein Gefühlsleben ganz schön auf den Kopf…

 „Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick“ ist der erste Band der Redwood-Love-Trilogie von Kelly Moran.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 26 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird chronologisch abwechselnd aus der Perspektive von Avery und Cade. Die Übergänge sind gelungen. Der Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil ist locker, flüssig und anschaulich. Als störend empfand ich nur einige Wortwiederholungen. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.

Die Protagonisten waren mir auf Anhieb sympathisch. Vor allem Hailey, die nicht spricht, konnte mich mit ihrer liebenswerten Art bezaubern. Auch das Tierarzt-Trio bietet in Hinsicht auf die Charaktere eine interessante Grundlage. In Bezug auf die Authentizität weist der Roman jedoch ein paar kleinere Schwächen auf. Cade wirkt an vielen Stellen einfach zu perfekt, sodass ich den Charakter nicht als sehr realitätsnah empfunden habe. Auch viele der Kleinstadtbewohner sind für meinen Geschmack zu stark idealisiert dargestellt.

Die Idee, eine alleinerziehende Mutter mit autistischer Tochter in den Mittelpunkt zu stellen, finde ich originell und schön. Gut gefallen hat mir, dass das Thema Autismus in der Geschichte viel Aufmerksamkeit bekommt, denn das trägt dazu bei, dass Barrieren abgebaut werden. Dadurch unterscheidet sich der Roman auf erfrischende Art von anderen Büchern des Genres. Nicht nur wegen dieses Aspektes, sondern auch wegen anderer ernster Thematiken regt die Geschichte zum Nachdenken an. Dabei wird das Buch aber nicht zu deprimierend, denn auch humorvolle Momente sind immer wieder eingestreut. Insgesamt konnte mich die Geschichte emotional berühren.

Trotz der eher hohen Seitenzahl kommt beim Lesen keine Langeweile auf, denn der Roman hält die eine oder andere Überraschung parat.

Das Cover ist ansprechend und modern gestaltet. Es gefällt mir bei Weitem besser als das amerikanische Original, das sehr kitschig und altbacken wirkt. Auch der deutsche Titel ist treffender gewählt als die US-Version („Puppy Love. Redwood Ridge“).

Mein Fazit:
Wer eine unterhaltsame Wohlfühlgeschichte mit liebenswerten Charakteren sucht, der ist beim Roman „Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick“ von Kelly Moran an der richtigen Adresse. Das Buch hat mir schöne Lesestunden beschert. Vermutlich werde ich mir auch noch die beiden anderen Bände der Reihe genauer anschauen.

Der Italienischlehrer

Die Gesichter: Roman - Tom Rachman, Bernhard Robben

Bear Bavinsky hat sich als expressionistischer Maler einen Namen gemacht. In der Szene wird er gefeiert, von Kunstliebhabern bewundert und umschwärmt. Als angeblicher Lieblingssohn stehen Pinch, der eigentlich Charles heißt und von seinem Vater auch Charlie genannt wird, und seine Mutter Natalie in dessen Schatten und müssen ihr Leben den Launen des Egozentrikers unterordnen. Auch mit der Treue hat es Bear nicht so, sodass er insgesamt 17 Kinder mit unterschiedlichen Frauen zeugt. Dennoch kämpft Pinch um seine Liebe, Aufmerksamkeit und Anerkennung. Er versucht sich ebenfalls in der Malerei, doch mit einer einzigen beiläufigen Bemerkung wischt Bear jede Hoffnung seines Sohnes beiseite, auch nur halb so viel Talent zu haben wie er. Desillusioniert zieht es Pinch in die Welt. Als Italienischlehrer in London hat er fast vergessen, dass auch er einmal Großes vorhatte. Doch dann schmiedet er einen Plan…

„Die Gesichter“ ist ein Roman von Tom Rachman über das Streben nach Anerkennung  – im Leben und in der Kunst.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 89 eher kurzen Kapiteln. Erzählt wird im Präsens und vorwiegend aus der Sicht von Pinch. Die Geschichte ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt im Jahr 1955 und endet 2018. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Zeitsprünge. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

Der Schreibstil ist schnörkellos, aber angenehm  zu lesen, gut verständlich und eindringlich. Der Einstieg fiel mir leicht. Die Geschichte nimmt nur langsam Fahrt auf, entfaltet aber durch ihre Sprachgewalt zunehmend einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Pinch ist der Protagonist des Romans. Sein Leben wird von der Kindheit bis ins fortgeschrittene Erwachsenalter dargestellt. Seine Entwicklung lässt sich daher hervorragend nachvollziehen. Wie die anderen Hauptpersonen des Romans wird er detailliert beschrieben. Sein Charakter wirkt authentisch, denn er hat Fehler und Schwächen. Ich konnte mich gut in ihn einfühlen.

Die Grundthematik der Geschichte finde ich sehr interessant. Dadurch hebt sich der Roman in kreativer Weise von anderen ab. Im Fokus steht die Frage, welche Beziehung ein Künstler zu seinem Kind haben kann. Darüber hinaus geht es natürlich auch ganz generell um die Liebe zwischen Kindern und ihren Eltern sowie um das Streben nach Anerkennung innerhalb der Familie. Diese Aspekte regen zum Nachdenken an. Viel Raum nehmen daneben die Welt der Kunst und die entsprechende Szene ein, über die ich gerne mehr erfahren habe.

Trotz der recht hohen Seitenzahl kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Die Geschichte gewinnt zunehmend an Tempo und Spannung und hat unerwartete Wendungen zu bieten.

Das farbintensive, künstlerisch anmutende Cover orientiert sich am Original. Es passt meiner Ansicht nach gut zur Geschichte. Der Titel weicht stark von der englischsprachigen Version („The Italian Teacher“) ab, die besser zum Inhalt passt.

Mein Fazit:
Mit „Die Gesichter“ ist Tom Rachman erneut ein ungewöhnlicher Roman gelungen, der noch eine Weile bei mir nachklingen wird. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Wie man zum Schwerverbrecher wird

Gangsterblues: Harte Geschichten - Joe Bausch

Wie wird man zu einem Mörder oder Dealer? Was treibt einen Menschen dazu an, jemanden zu vergewaltigen oder einen schweren Raub zu begehen? Joe Bausch, Mediziner in der JVA Werl, begegnet tagtäglich Schwerverbrechern, die langjährige Haftstrafen verbüßen müssen. Im Knast haben die Kriminellen viel Zeit, um sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen - und irgendwann wollen sie reden. Viele vertrauen sich dabei Joe Bausch an.

„Gangsterblues  –  Harte Geschichten“ ist das zweite Buch von Gefängnisarzt Joe Bausch mit True-Crime-Geschichten, geschrieben mit Bertram Job.

Meine Meinung:
Nach dem Vorwort enthält das Buch zwölf Kapitel. Jedes beinhaltet eine andere Kriminal-Anekdote. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Joe Bausch. Dieser Aufbau funktioniert prima.

Der Schreibstil ist sehr anschaulich, lebhaft, locker und flüssig. Die Sprache ist dem Ernst der Themen angemessen, also weder übertrieben flapsig noch blumig oder übermäßig dramatisch. Trotzdem konnte mich das Buch gleich fesseln und ich konnte mir die dargestellten Geschichten gut vor dem geistigen Auge vorstellen.

Joe Bausch arbeitet bereits seit vielen Jahren als Arzt im Gefängnis. Darüber hinaus ist er als Schauspieler im „Tatort“ zu sehen. Ich schaue mir eher selten Krimis an und bin auch keine Anhängerin von True-Crime-Büchern. Bei einem seiner Vorträge bin ich vor einigen Jahren allerdings persönlich auf Bausch getroffen. Seine Charakterstärke und seine angenehme Art haben mich damals beeindruckt. Auch sein erstes Buch, „Knast“, konnte mich überzeugen, denn es bietet sehr interessante, intensive Einblicke in das Leben hintern Gitter und in die Psyche von Tätern. Deshalb habe ich auf das Erscheinen von „Gangsterblues“  hingefiebert.

Obwohl bereits in „Knast“ auch beispielhaft Gangsterbiografien und -karrieren angerissen wurden, legt sein zweites Buch besonders darauf seinen Schwerpunkt. Joe Bausch selbst spricht von außergewöhnlichen Begegnungen und Geschichten, die er anonymisiert, fiktionalisiert und weitergesponnen hat. Die Einzelschicksale wurden also etwas verfremdet. Dennoch sollen sie nah an der Realität bleiben, sodass sich die Ereignisse exakt so zugetragen haben könnten. Tatsächlich kommen mir die dargestellten Geschichten authentisch und glaubwürdig vor. Die Auswahl ist ausgewogen und abwechslungsreich. Wieder einmal erhält der Leser interessante Einblicke in den Alltag hinter den Gefängnismauern, in die Denkweise und die Erlebnisse der Insassen und deren kriminelle Werdegänge. Die Geschichten machen nachdenklich und lassen einige Stereotype in einem neuen Licht erscheinen. Ganz ohne Effekthascherei schafft es Bausch, dass man gebannt Seite um Seite umblättert und das Buch nicht weglegen möchte, bis man es fertig gelesen hat.

Das reduzierte Cover, das auf Joe Bausch fokussiert, passt inhaltlich sehr gut und trifft meinen Geschmack. Der Titel ist ebenfalls gelungen.

Mein Fazit:
Mit „Gangsterblues  –  Harte Geschichten“  hat mich Joe Bausch wieder einmal überzeugt.  Seine Anekdoten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, sind eine empfehlenswerte Lektüre. Ich hoffe auf ein weiteres Buch von ihm.

Wenn die Zwillingsschwester plötzlich spurlos verschwindet

Stern des Nordens - D.B. John, Sabine Längsfeld, Karen Witthuhn

Washington DC im Jahr 2010: Seit zwölf Jahren ist die Zwillingsschwester von Jenna Williams, einer Assistenzprofessorin, verschwunden. Angeblich ist sie bei einem Badeunfall im Meer bei Südkorea ums Leben gekommen. So jedenfalls steht es in dem Bericht der Polizei. Als Expertin für Land und Sprache überredet das CIA Jenna zu einer geheimen Mission, die sie nach Nordkorea schickt. Die 30-Jährige, eine Halbkoreanerin mit afroamerikanischen Wurzeln, ist fest entschlossen, die vermisste Schwester zu finden…

 „Stern des Nordens“ von D.B. John ist ein spannender und erschütternder Thriller.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus 57 kurzen Kapiteln. Sie werden von einem Pro- und einem Epilog eingerahmt. Erzählt wird aus der Sicht unterschiedlicher Personen, was zu mehreren Erzählsträngen führt. Die Handlung umfasst einen Zeitraum von 1998 bis 2012 und springt zwischen mehreren Orten hin und her. Dieser Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil ist flüssig, angenehm, detailliert und anschaulich. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Ich habe das Buch nur ungern zur Seite gelegt.

Im Mittelpunkt des Thrillers steht Jenna Williams, die während der Geschichte eine ziemliche Entwicklung durchmacht. Auch Frau Moon, eine Bäuerin in der Provinz, und Cho, ein treuer Parteifunktionär des nordkoreanischen Regimes, sind reizvolle Charaktere.

Die Geschichte nimmt nach dem spannenden Prolog zu Beginn nur langsam Fahrt auf, wird aber stetig spannender. Beim Lesen habe ich mich zu keiner Zeit gelangweilt. Die Auflösung ist überzeugend und schlüssig. Allerdings wird die Handlung zum Ende hin unnötigerweise etwas übertrieben und überzogen, was den insgesamt sehr positiven Gesamteindruck ein wenig schmälert.

Das Setting Nordkorea hat mich sehr angesprochen und ich habe gerne mehr über das Land und die dortigen Verhältnisse erfahren. Mir gefällt sehr gut, dass sich der Thriller sehr nah an wahren Begebenheiten orientiert und eine Thematik aufgreift, die in der westlichen Unterhaltungsliteratur wenig behandelt wird. Gekonnt werden Fakten und Fiktion verwoben. An vielen Stellen wird die fundierte Recherche des Autors deutlich.

Ein Pluspunkt ist auch das Zusatzmaterial. Ein Glossar erklärt nordkoreanische Wörter im Buch. Sehr interessant und lesenswert sind darüber hinaus die zusätzlichen Anmerkungen am Ende des Thrillers, die das Geschehen im Buch einordnen und die tatsächlichen Gegebenheiten schildern.

Die dargestellten Lebensumstände in Nordkorea sind aufwühlend und bewegend. Aspekte wie der Alltag in einem Arbeitslager, Exekutionen und andere Grausamkeiten werden aufgegriffen. Somit regt der Thriller auch zum Nachdenken an.

Das stimmungsvolle Cover gefällt mir. Der deutsche Titel lehnt sich am englischsprachigen Original an und passt ebenfalls gut.

Mein Fazit:
Mit „Stern des Nordens“ ist D.B. John ein Thriller gelungen, der nicht nur unterhalten, sondern auch berühren kann. Er hat für spannende und informative Lesestunden gesorgt.

Harry und die Bäume

Die wundersame Mission des Harry Crane: Roman (insel taschenbuch) - Jon Cohen, Alexandra Kranefeld

Bei einem Unglück wird seine Frau Beth völlig überraschend aus dem Leben gerissen. Für Harry Crane, Ende 30, bricht eine Welt zusammen, zumal er sich selbst die Schuld an ihrem Tod gibt. In den tiefen Wäldern von Pennsylvania will er für immer verschwinden, denn er liebt Bäume. Doch dann trifft er dort auf die zehnjährige Oriana Jeffers. Sie hat ebenfalls einen Verlust erlitten, weil ihr Vater Dean auch sehr plötzlich gestorben ist. Ihre Mutter Amanda hat ihr erklärt, dass ihm ein Aneurysma im Gehirn zum Verhängnis wurde. Doch das Mädchen will nicht akzeptieren, dass ihr Daddy tatsächlich tot sein soll. Sie ist überzeugt davon, dass Dean nur verwandelt wurde. Und um den Zauber zu brechen, muss Harry ihr helfen…

 „Die wundersame Mission des Harry Crane“ ist ein ungewöhnlicher  Roman von Jon Cohen.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 37 Kapiteln sowie einem Epilog. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, vorwiegend jedoch aus der Sicht von Harry und der von Oriana. Eingefügt sind ein Zeitungsausschnitt, Teile des „ Buchs des alten Grumm“ und mehrere Zeichnungen. Dieser Aufbau gefällt mir gut.

Den Schreibstil habe ich als sehr angenehm, einfühlsam und anschaulich empfunden. Schöne Sprachbilder und Metaphern kommen immer wieder vor. Es fiel mir leicht, in die Geschichte einzutauchen, und ich habe das Buch nur ungerne zur Seite gelegt.

Obwohl Harry und Oriana jeweils auf ihre Art ein wenig anders sind, habe ich beide schon nach kurzer Zeit in mein Herz geschlossen. Beide Charaktere sind eher introvertiert, sensibel und etwas verträumt. Ihnen gemeinsam ist auch, dass sie viel Fantasie haben. Die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden wird sehr gut deutlich. Obwohl sie altersmäßig nicht zueinander passen, hat mir die Wahl der zwei Hauptprotagonisten sehr zugesagt. Auch einige Nebenfiguren finde ich sehr sympathisch.

Die Themen Liebe, Trauer und Verlust sorgen dafür, dass mich das Buch immer wieder berühren konnte. Ein Pluspunkt des Romans ist es, dass es nicht nur bei den ernsten, dunklen Tönen bleibt, sondern dass die Geschichte auch eine positive, lebensbejahende Botschaft vermittelt. Dabei spielt die märchenhafte Komponente eine wichtige Rolle. Sie lässt das Licht am Horizont erblicken und macht den Roman gleichzeitig zu etwas Besonderem. Trotz der recht hohen Seitenzahl und der eher langsamen Art des Erzählens kommt beim Lesen keine Langeweile auf.

Das sehr gelungene deutsche Cover orientiert sich am Original. Es trifft absolut meinen Geschmack. Der Titel weicht dagegen stark von der englischsprachigen Version („Harry’s Trees“) ab, passt aber dennoch auch gut.

Mein Fazit:
„Die wundersame Mission des Harry Crane“ von Jon Cohen erzählt eine kreative und märchenhaft anmutende Geschichte, die ich in einer ähnlicher Weise noch nicht gelesen habe. Ein empfehlenswerter Roman, der mich emotional bewegen konnte.