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Eine schicksalhafte Affäre

Alles Begehren - Ruth Jones, Julia Walther

Schottland im Jahr 1985: Der 39-jährige Callum McGregor ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Seine Frau Belinda ist hochschwanger. Der Lehrer hätte allen Grund, glücklich zu sein. Doch dann trifft er im Pub seines Bruders Fergus auf die 21-jährige Studentin Kate Andrews. Sie ist sehr attraktiv und verdreht ihm sofort den Kopf. Beide lassen sich auf eine Affäre ein, obwohl Callum sein Leben nicht zerstören will. Doch genau das passiert beinahe. 17 Jahre später treffen sich Cal und Kate wieder. Sie ist inzwischen eine bekannte Schauspielerin und Mutter. Noch einmal haben die beiden die Möglichkeit zu wählen. Werden sie sich füreinander entscheiden?

„Alles Begehren“ ist der Debütroman von Ruth Jones.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus drei Teilen, die wiederum in 95 Kapitel untergliedert sind, sowie einem Pro- und einem Epilog. Die Handlung spielt fast ausschließlich in den Jahren 1985 und 2002. Erzählt wird aus der Sicht unterschiedlicher Personen. Dieser Aufbau ist gut durchdacht und gefällt mir.

Der Erzählstil ist angenehm und flüssig. Die Sprache ist klar, aber lebhaft. Ich bin schnell in die Geschichte reingekommen und habe das Buch nur ungern zur Seite gelegt.

Besonders gut gelingt es, die einzelnen Charaktere und ihre Sichtweisen darzustellen. Obwohl ich im Allgemeinen wenig Verständnis für den Ehebruch aufbringen kann, konnte ich mich gut in die beiden Hauptprotagonisten hineinversetzen und ihr Verhalten nachvollziehen. Angesprochen hat es mich, dass hier Personen ausgewählt wurden, die Ecken und Kanten haben. Auch die Nebenfiguren werden größtenteils sehr authentisch dargestellt.

Die Themen Liebe und Schuldgefühle stehen deutlich im Vordergrund des Romans. Überzeugend geschildert werden dabei auch die vielen Facetten, die mit dem Ehebruch und seinen Folgen zusammenhängen. Das Buch kann dadurch zum Nachdenken anregen. Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist es, dass er es schafft, viele Emotionen zu vermitteln, ohne dabei kitschig zu werden.

Trotz der recht hohen Seitenzahl wird die Lektüre nicht langweilig, sondern behält ihre eher subtile Spannung. Die Handlung ist bis zur letzten Seite glaubwürdig erzählt.

Das hübsche Cover stellt zwar keine Verbindung zum Inhalt her, macht aber neugierig. Der deutsche Titel weicht stark vom englischen Original („Never Greener“) ab, ist jedoch auch durchaus treffend.

Mein Fazit:
„Alles Begehren“ von Ruth Jones ist ein gelungener Roman der leisen Töne, der mich bewegen konnte. Ich kann die Geschichte absolut empfehlen.

Wenn drei Schicksale miteinander verflochten sind

Der Zopf: Roman - Laetitia Colombani, Claudia Marquardt

Smita, die junge Mutter einer kleinen Tochter, lebt im Norden Indiens. Sie ist eine Dalit-Frau, eine Unberührbare, die die Exkremente anderer Leute einsammeln muss. Die 20-jährige Giulia Lanfredi dagegen arbeitet in einer Manufaktur in Italien. Der Familienbetrieb, der eigentlich von ihrem Vater Pietro geleitet wird, ist die letzte Perückenfabrik Palermos. Sarah Cohen, eine 40-jährige Mutter von drei Kindern, ist in Montreal als Anwältin sehr erfolgreich. Das Leben der drei Frauen könnte kaum unterschiedlicher sein. Und doch gibt es etwas, das sie verbindet.

 

„Der Zopf“ ist der beeindruckende Debütroman von Laetitia Colombani.

 

Meine Meinung:
Geschildert wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Smita, Giulia und Sarah. Ein Prolog und ein Epilog umschließen die Handlung. Diesen Aufbau finde ich äußerst gelungen.

 

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Die Sprache ist klar, aber schafft es, viele Bilder hervorzurufen. Der Erzählton ist liebevoll und warmherzig.

 

Die Grundidee, drei ungewöhnliche Geschichten in einem Roman wie zu einem Zopf zu verflechten, hat mir äußerst gut gefallen. Sie ist auf überzeugende Weise umgesetzt. Ich bin – auch aufgrund der Verkaufserfolge im Ausland – mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen und wurde nicht enttäuscht. Ab der ersten Seite konnte mich der Roman fesseln und berühren.

 

Die drei Hauptprotagonistinnen waren mir schnell sympathisch, vor allem Smita und Giulia. Die Frauen und ihre Entwicklung wirken authentisch. Ihre Schicksale konnten mich sehr bewegen und regen zum Nachdenken an. Sie lassen den Roman zu einer emotionalen, ergreifenden Lektüre werden.

 

Die Handlung ist schlüssig und glaubwürdig. Die Krisen, die die drei Charaktere zu bewältigen haben, machen das Buch kurzweilig und spannend. Thematisch bietet die Geschichte viele Facetten. Obwohl bald deutlich wird, auf was das Ganze hinausläuft, habe ich mich beim Lesen zu keiner Zeit gelangweilt. Ein Pluspunkt ist auch, dass der Roman nicht nur traurig und berührend ist, sondern auch humorvolle Elemente beinhaltet.

 

Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ist das Buch ein echtes Highlight. Die gebundene Ausgabe mit einem Lesebändchen ist hochwertig gestaltet. Das Cover finde ich nicht nur thematisch passend, sondern auch wunderhübsch anzuschauen. Der Titel ist treffend formuliert.

 

Mein Fazit:
„Der Zopf“ von Laetitia Colombani ist eine gleichsam kreative wie berührende Lektüre. Den Roman kann ich schon jetzt zu den Lieblingsbüchern in diesem Jahr zählen. Ich kann ihn wärmstens empfehlen. Die geplante Verfilmung werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

Der Vogel mit den magischen Worten

The Bird and the Sword - Amy Harmon

Lark, benannt nach dem Vogel Lerche, hat eine ungewöhnliche Gabe: Sie kann magische Worte aussprechen. Doch als sie fünf Jahre alt ist, muss sie ansehen, wie ihre Mutter, Lady Meshara, vor ihren Augen getötet wird. Um ihrem Kind ein ähnliches Schicksal zu ersparen, nimmt sie im Sterben ihrer Tochter die Stimme und die Macht der Worte. Denn Magie ist eine Todsünde in den Landen von Jeru. Zudem belegt Meshara ihren Mann, Lord Corveyn, mit dem Fluch, dass er auch sterben muss, wenn ihre Tochter stirbt. 13 Jahre später erscheint der junge König Tiras an seinem Hof, um Larks Vater an seine Treuepflicht im Krieg zu erinnern. Er nimmt die stumme junge Frau als Geisel mit. Zunächst fürchtet Lark den König, doch auch Tiras hat ein Geheimnis. Ist die Liebe die einzige Waffe, die ihrer beider Ketten sprengen kann?

„Bird and Sword“ ist der erste Band der gleichnamigen Reihe von Amy Harmon.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 35 Kapiteln. Darüber hinaus gibt es einen Pro- und einen Epilog, die die Haupthandlung wunderbar umschließen. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lark. Dieser Aufbau hat mir gut gefallen.

Der Erzählstil ist liebevoll, sehr lebendig und zum Teil sogar poetisch. Ich konnte gut in die Geschichte einfinden, obwohl diese Welt sich doch ziemlich von unserer unterscheidet.

Die Grundidee des Romans sagt mir sehr zu. Sie ist kreativ und fantasievoll. Auch die Umsetzung konnte mich überzeugen, denn eine solche Geschichte habe ich bisher noch nicht gelesen.

Mit Lark gibt es eine stumme Hauptprotagonistin. Dieser Aspekt macht sie zu einem interessanten Charakter. Obwohl sie nicht spricht, lernt man sie als Leser gut kennen, weil ihre Gedanken sehr deutlich werden. Sie war mir ebenso sympathisch wie einige der Nebenfiguren – zum Beispiel Boohjoni.

Eine Stärke der Geschichte ist es, dass es nicht nur berührende Passagen gibt, sondern auch spannende Szenen. Die schlüssige Handlung hat mehrere Wendungen und Überraschungen parat. Die Lektüre ist dadurch kurzweilig und unterhaltsam.

Pluspunkte sind für mich auch die Landkarte, die für Orientierung in der fremden Welt sorgt, und eine Liste, die die Aussprache der Namen erklärt.

Das Cover ist sehr hübsch und hat mich sofort angesprochen. Der deutsche Titel entspricht dem Original und passt inhaltlich gut.

Mein Fazit:
„Bird and Sword“ von Amy Harmon ist eine bezaubernde Geschichte, die mir vergnügliche Lesestunden bereitet hat. Ich bin neugierig auf die Fortsetzung.

Wenn eine große Liebe scheitert

Eine Liebe, in Gedanken: Roman - Kristine Bilkau

Hamburg im Jahr 1964: Antonia Weber, kurz Toni, und Edgar Janssen sind scheinbar ein tolles Paar. Mit Mitte 20 teilt die junge Frau mit ihm den Traum von einer Zukunft fernab der Heimat. Als Edgar nach Hongkong geht, um für eine Außenhandelsfirma dort ein Büro aufzubauen, haben sie gemeinsame Pläne. Sie soll ihm folgen, sobald er Fuß gefasst hat. Doch ein Jahr lang wird sie immer nur vertröstet. Sie beschließt, ohne ihn weiterzuleben. Der Trennungsschmerz lässt beide jedoch auch im Laufe der Zeit nicht los. Fünfzig Jahre später, kurze Zeit nach dem Tod von Toni, will ihre Tochter Edgar ein einziges Mal treffen. Wer war der Mensch, den ihre Mutter nie vergessen konnte? Was genau ist damals passiert?

„Eine Liebe, in Gedanken“ ist ein bewegender Roman von Kristine Bilkau.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus vielen, eher kurzen Kapitel. Erzählt wird einerseits aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Tonis Tochter und andererseits aus der Sicht von Toni selbst. Die Geschichte spielt teilweise in der Gegenwart und teilweise in den 1960er-Jahren. Diesen Aufbau finde ich gelungen.

Besonders begeistern konnte mich die Sprache. Sie ist intensiv und gefühlvoll. Der Schreibstil schaffte durch die wundervollen Beschreibungen eine lebendige Atmosphäre. So konnte mich die Geschichte schnell in ihren Bann ziehen.

Edgar, Toni und ihre Tochter sind die drei Hauptfiguren, auf die sich der Roman konzentriert. Die Charaktere wirken authentisch und werden liebevoll gezeichnet. Ich konnte vor allem die Gedanken und Gefühle der beiden Frauen sehr gut nachvollziehen.

Inhaltlich ist die Geschichte sehr emotional und berührend. Positiv fällt dabei auf, dass sie ohne Kitsch und Klischees auskommt.

Gut gefallen hat mir außerdem, wie tiefgründig der Roman ist. Es geht um mehr als nur Liebe. Es geht um Hoffnungen, Träume, Lügen und Zeiten des Umbruchs. Mich konnte die Geschichte sehr zum Nachdenken anregen.

Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut. Es passt gut zum Inhalt. Auch der Titel ist treffend formuliert. Er könnte aber zu der falschen Annahme verleiten, es handele sich um einen ganz gewöhnlichen Liebesroman, was das Buch definitiv nicht ist.

Mein Fazit:
„Eine Liebe, in Gedanken“ von Kristine Bilkau ist ein gelungener Roman, der mich sehr berühren konnte. Ich kann ihn wärmstens empfehlen.

Eine Zeitreise in die Jahre des Dombaus in Magdeburg

Die Kathedrale des Lichts: Historischer Roman - Ruben Laurin

Deutschland im Jahr 1215: Waisenjunge Moritz musste miterleben, wie man seine Eltern ermordet hat und sein Heimatdorf geplündert wurde. Er fristet ein Leben als Sklave und leidet nach wie vor unter den Folgen dieses Traumas. Wenn er an Skulpturen aus Stein arbeitet, vergisst er jedoch sein Leid und vermeidet seine Anfälle von Raserei. Nach einigen Jahren erkennt Meister Bohnsack Moritz‘ Talent. Er nimmt ihn mit nach Magdeburg, wo gerade an der Kathedrale gebaut wird. Der junge Steinmetz und Bildhauer wird auf der großen Baustelle bewundert – allerdings nicht von allen. Besonders seinen Kollegen Gotthart von Saint Leonard quält der Neid auf Moritz. Als beide auch noch um dieselbe Frau werben, fasst Gotthart einen bösen Plan: Der Konkurrent muss endgültig verschwinden…

„Die Kathedrale des Lichts“ ist ein historischer Roman von Ruben Laurin.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus einem Pro- und einem Epilog sowie drei Teilen, die wiederum in Kapitel untergliedert sind. Schauplätze sind neben Magdeburg diverse weitere Orte. Die Handlung spielt vorwiegend im 13. Jahrhundert. Allerdings gibt es mehrere Rückblenden ins dritte Jahrhundert. Dieser Aufbau hat mir zugesagt.

Der Erzählstil ist insgesamt flüssig, angenehm und sehr anschaulich, obgleich einige erzählerische Einschübe den Lesefluss unterbrechen und mich etwas gestört haben.

Ich brauchte eine Weile, um mich in das Buch einzufinden und einen Zugang zu den Charakteren zu bekommen, denn etliche Personen wurden in unterschiedlichen Handlungssträngen eingeführt. Sie werden gekonnt miteinander verwoben, bleiben zum Teil aber etwas blass. Moritz ist kein Hauptprotagonist, der mir sofort sympathisch war. Trotzdem ist er als Charakter interessant.

Einige dramatische Ereignisse machen die Geschichte spannend und trotz der eher hohen Seitenzahl kurzweilig. Dennoch wirkt die Handlung bis zum Schluss weitgehend stimmig. Die Mischung von historischen Begebenheiten, Spannung, Dramatik und Liebe hat meinen Geschmack getroffen.

Die geschichtliche Hintergründe und die Erläuterungen zum Dombau sind gelungen in die Geschichte eingebettet. Sie sorgen für eine lehrreiche Lektüre.

Ein großes Plus ist das Zusatzmaterial des Romans. Neben der Personenübersicht, die ausweist, welche Figuren tatsächlich real waren, gibt es eine Zeittafel und ein Glossar. Interessant ist auch das Nachwort, das die gründliche Recherche des Autors dokumentiert.

Das Cover ist ausgesprochen hübsch und passt auch inhaltlich hervorragend zu der Geschichte. Auch der Titel ist treffend gewählt.

Mein Fazit:
„Die Kathedrale des Lichts“ von Ruben Laurin hat für unterhaltsame Lesestunden gesorgt. Ich kann die Geschichte vor allem Fans von historischen Romanen empfehlen.

Die letzte Fahrt nach Memphis

Das Glück kurz hinter Graceland: Roman - Kim Wright, Elfriede Peschel

Nachdem Laura, auch genannt Honey, an Krebs gestorben ist, schlägt sich ihre Tochter so durch. Cory Beth Ainsworth tingelt als Blues-Sängerin durch unterschiedliche Lokalitäten. Eines Tages entdeckt die 37-jährige Südstaatlerin im Schuppen ihres Elternhauses den Blackhawk, das legendäre Auto von Elvis Presley. Schon seit Längerem hat sie den Verdacht, dass der King ihr biologischer Vater ist, denn ihre Mutter war vor kurz vor ihrer Geburt eine seiner Backgroundsängerinnen. Das Auto ist für die Tochter nun der Beweis. Deshalb entschließt sie sich, mit dem Lieblingsgefährt von Elvis einen Roadtrip zu unternehmen und den Wagen nach Memphis zu bringen. Für Cory beginnt eine Reise in die Vergangenheit ihrer Mutter und die 70er-Jahre, bei der sie einiges erfährt – auch über sich selbst.

 

„Das Glück kurz hinter Graceland“ ist ein unterhaltsamer Roman von Kim Wright.

 

Meine Meinung:

Das Buch ist untergliedert in fünf Teile, die in unterschiedlichen Orten der USA spielen. Diese sind zudem in mehrere Abschnitte unterteilt. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive, abwechselnd aus der Sicht von Cory und Honey. Zudem finden die Ereignisse teilweise in der Gegenwart (im Jahr 2015) und teilweise in der Vergangenheit (im Jahr 1977) statt. Dieser Aufbau hat mir gut gefallen.

 

Der Schreibstil des Romans ist flott und locker, so dass sich die Seiten flüssig und schnell lesen ließen. Schon der Einstieg fiel mir leicht. Ich konnte gut in die Story eintauchen und habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen.

 

Cory und ihre Mutter Honey sind in mehrfacher Hinsicht recht unterschiedlich. Dennoch waren mir beide Hauptcharaktere schon nach wenigen Seiten sympathisch. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt wird gut deutlich. Sie wirken authentisch.

 

Die Grundidee des Romans, die Vaterschaft Elvis Presleys, finde ich recht skurril. Sie hat aber meine Aufmerksamkeit erregt und mich darauf neugierig gemacht, ob das tatsächlich sein kann. Ich habe die Geschichte der beiden gerne verfolgt, denn sie war insgesamt amüsant und unterhaltsam. Langeweile kam beim Lesen nicht auf. Dabei ist die Lektüre nicht so seicht, wie man anfangs vermuten könnte, denn Corys Weg zu sich selbst regt durchaus zum Nachdenken an.

 

Das Cover wirkt ein wenig unruhig, passt aber recht gut zum Inhalt. Mir persönlich gefällt auch der amerikanische Originaltitel („Last Ride to Graceland“) etwas besser als die deutsche Übersetzung.

 

Mein Fazit:

„Das Glück kurz hinter Graceland“ von Kim Wright ist ein gelungener Roman, der mir vergnügliche Lesestunden beschert hat. Er bietet eine Menge Unterhaltung.

Wenn Vater und Tochter auf der Flucht sind

Die Rache der Polly McClusky: Roman - Jordan Harper, Conny Lösch

Polly McClusky ist elf Jahre alt und hat ihren Vater seit Jahren nicht mehr gesehen, weil dieser im Gefängnis einsitzt. Doch eines Tages steht Nate McClusky überraschend vor ihr, um sie aus der Schule abzuholen. Im Knast hat er sich die Gang Aryan Steel zum Feind gemacht, die nun ein Kopfgeld auf ihn und seine Familie ausgesetzt wird. Pollys Mutter, seine Exfrau, konnte er nicht mehr retten. Nun soll auch das Mädchen getötet werden. Und das will Nate auf jeden Fall verhindern. Auf der Flucht durch Kalifornien vor den Mördern und der Polizei werden Vater und Tochter bei ihrem gefährlichen Roadtrip zu einem starken Team. Dabei ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.

„Die Rache der Polly McClusky“ ist der Debütroman von Jordan Harper.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus vier Teilen, die jeweils in mehrere Kapitel untergliedert sind. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, die sich kapitelweise abwechseln: aus der Sicht von Polly, Nate und anderen Personen.

Der Schreibstil ist recht nüchtern und rau, liest sich aber sehr angenehm und flüssig. Zudem passt er gut zum Inhalt. Einige tolle Sprachbilder werden verwendet. Mir fiel der Einstieg in die Geschichte nicht schwer.

Neben der Grundidee haben mir auch die Charaktere des Romans gut gefallen. Polly und Nate sind zwei reizvolle Hauptprotagonisten. Vor allem der Vater ist durch seine Vergangenheit mit Sicherheit kein typischer Romanheld. Dennoch gelang es mir ganz gut, mich in beide einzufühlen und mit ihnen mitzufiebern. Lediglich die Entwicklung von Polly empfand ich als übertrieben. Dagegen wirken Nate und die sonstigen Figuren recht authentisch.

Durch die wechselnden Perspektiven, aber auch den Inhalt ist der Roman fesselnd. Die Handlung ist schlüssig, an einigen Stellen allerdings überspitzt und daher etwas realitätsfern. Auch waren mir manche Szenen ein wenig zu brutal. Dennoch fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten.

Das Cover finde ich sehr gelungen. Der deutsche Titel weicht zwar stark vom amerikanischen Original („She Rides Shotgun“) ab, passt aber auch durchaus.

Mein Fazit:
„Die Rache der Polly McClusky“ von Jordan Harper ist ein spannender Roman mit nur kleineren Schwächen, der mir unterhaltsame Lesestunden bereitet hat.

Von Morden, Malerei und Mathematik

Tulpengold: Roman - Eva Völler

Amsterdam im Jahr 1636: Nach dem Tod seines Vaters wird Pieter als Lehrling von Maler Rembrandt van Rijn aufgenommen. Der 17-Jährige ist sonderbar und mathematisch hochbegabt. Sein Talent kommt sehr gelegen, als die Preise für Tulpenzwiebeln in schwindelnde Höhen steigen. Er erkennt eine Gesetzmäßigkeit dahinter. Doch dann werden auch noch zunehmend Tulpenhändler tot aufgefunden. Pieter will die Mordserie auflösen und gerät dadurch selbst in Gefahr...

„Tulpengold“ ist ein historischer Kriminalroman von Eva Völler.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 25 Kapiteln und einem Epilog. Erzählt wird aus der Sicht von Pieter.

Der Schreibstil gefällt mir sehr. Er ist anschaulich, detailliert, bildhaft und atmosphärisch. Gleichzeitig wirkt die Sprache für das 17. Jahrhundert recht authentisch. Der Einstieg ist mir leicht gefallen und ich konnte gut in die Geschichte eintauchen, die schon nach wenigen Seiten fesselnd ist.

Mit Pieter steht ein ungewöhnlicher Protagonist im Vordergrund. Die Idee, einen Charakter mit Asperger-Syndrom in den Mittelpunkt zu rücken, konnte mich überzeugen. Pieter ist sehr sympathisch und mir beim Lesen schnell ans Herz gewachsen. Auch die übrigen Personen sind vielschichtig und werden glaubwürdig dargestellt.

Die Handlung ist nicht nur schlüssig, sondern auch packend und nicht vorhersehbar. Ich hatte Spaß daran zu rätseln, bei wem es sich um den Mörder handeln könnte. Positiv finde ich auch, dass es neben den spannenden Szenen immer wieder auch humorvolle Momente gibt. So entsteht eine kurzweilige, sehr unterhaltsame Mischung.

Das Thema ist literarisch noch nicht so stark verarbeitet worden und hat allein schon deshalb seinen Reiz. Ich habe es genossen, mehr über die Tulpenspekulation und die damaligen Umstände zu erfahren. Insgesamt ist der Roman sehr lehrreich, denn er vermittelt nebenbei auch weitere Informationen wie das Herstellen von Farben in früheren Zeiten.

Gerne gelesen habe ich auch das interessante Nachwort, das die Entstehungsgeschichte und den historischen Hintergrund des Romans beleuchtet. Es belegt die gründliche Recherche der Autorin.

Ein Pluspunkt des Romans ist zudem das hübsche Cover. Es passt ebenso wie der Titel perfekt zum Inhalt der Geschichte.

Mein Fazit:
„Tulpengold“ von Eva Völler kann ich nicht nur Fans von historischen Romanen wärmstens empfehlen. Die äußerst gelungene Geschichte um Pieter hat mir schöne Lesestunden beschert und konnte mich in mehrfacher Hinsicht begeistern. Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Mit dem Tod stirbt die Liebe nicht

Für immer ist die längste Zeit: Roman - Abby Fabiaschi, Barbara Christ

Madeline Starling ist tot. Nachdem sie mit Mitte 40 vom Dach der Bibliothek des Wellesley College gestürzt ist, hat sie eine Mission: Sie will für die 16-jährige Tochter Eve und ihren Ehemann Brady eine neue Frau finden. Denn Maddy ist nicht im Himmel gelandet, sondern kann aus kurzer Höhe das Leben ihrer Familie und anderer Leute beobachten. Der Witwer und die Teenagertochter sind nach dem Tod mit ihrem Alltag überfordert. Und sie fragen sich, warum das Ganze passiert ist. Maddy will etwas unternehmen, doch ihre Einflussnahme aus dem Jenseits heraus ist eingeschränkt…

„Für immer ist die längste Zeit“ ist der Debütroman von Abby Fabiaschi.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus 17 Kapiteln und einem Epilog. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Maddy, Brady und Eve. Dieser Wechsel hat mir sehr gut gefallen.

Auch den Schreibstil finde ich sehr angenehm. Er ist locker und flüssig. Mir fiel es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Die Seiten ließen sich schnell lesen.

Zu den drei Hauptprotagonisten konnte ich schon nach kurzer Zeit einen Zugang finden und vor allem zu Maddy Sympathie aufbauen. Die Gedanken- und Gefühlswelt der drei Charaktere wird gut deutlich. Sie wirken realitätsnah. Auch die Entwicklung von Eve und Brady ist glaubhaft beschrieben.

Die Handlung ist abwechslungsreich und hält auch Überraschungen bereit. Die Geschichte ist nicht so vorhersehbar, wie man anfangs meinen könnte.

Durch den Tod der Mutter nehmen die Trauer und die Frage nach der Schuld viel Raum in der Geschichte ein. Der Roman ist daher emotional und sehr bewegend. Die ernste Botschaft wird dabei klar: Man soll das Leben so lange genießen, wie es geht. Dadurch regt das Buch zum Nachdenken an. Gleichzeitig gelingt es der Autorin aber auch, immer wieder humorvolle Elemente einzubauen. Diese Mischung konnte mich überzeugen.

Das Cover ist zwar inhaltlich etwas nichtssagend, aber auch sehr hübsch. Der deutsche Titel weicht stark vom amerikanischen Original („I Liked My Life“) ab, ist aber ebenso treffend gewählt.

Mein Fazit:
Mit „Für immer ist die längste Zeit“ legt Abby Fabiaschi einen ebenso unterhaltsamen wie berührenden Roman vor, der für kurzweilige Lesestunden gesorgt hat und meinen Erwartungen vollends gerecht wurde. Ich kann die Geschichte empfehlen.

Wenn die Musik zu Kreisen, Dreiecken und Quadraten wird

Wenn Martha tanzt: Roman - Tom Saller

New York im Jahr 2001: Thomas, ein 25-jähriger Mann, ist in die Staaten gereist, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha Wetzlaff für sehr viel Geld versteigern zu lassen. Es enthält Skizzen und Zeichnungen bekannter Bauhaus-Künstler wie Feininger, Klee und Kandinsky. Der junge Mann hat Martha selbst nie kennen gelernt. Sie wird 1900 als Tochter eines Kapellmeisters in Türnow, einem kleinen Dorf in Pommern, geboren. Von dort geht sie nach Weimar. Walter Gropius wird auf die Frau aufmerksam. Durch das Tanzen erwirbt sie sich den Respekt und die Bewunderung der Bauhaus-Mitglieder. Doch die Nationalsozialisten schließen die Kunstschule und so kehrt Martha zurück in ihre Heimat - das wertvolle Notizbuch im Gepäck. Am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich ihre Spur. Was ist passiert?

„Wenn Martha tanzt“ ist der Debütroman von Tom Saller.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen, die sich abwechseln: Der Leser begleitet einerseits den jungen Mann in der jüngeren Zeit, also den Jahren 2001 und 2002. Andererseits taucht man in Marthas Vergangenheit ab – von ihrer Geburt bis ins Jahr 1945. Marthas Sicht drückt sich unter anderem in Tagebuchnotizen aus, ergänzt mit den Worten ihres Urenkels. Dieser Aufbau sagt mir sehr zu.

Der Schreibstil ist größtenteils ungekünstelt, aber angenehm und liest sich sehr flüssig. Ich konnte gut in die Geschichte eintauchen und bin schnell durch die Seiten geflogen.

Die Hauptprotagonistin Martha ist ein ungewöhnlicher und reizvoller Charakter. Ich wurde nicht gleich mit ihr warm. Dies änderte sich jedoch mit zunehmender Seitenanzahl. Zum Urenkel bleibt beim Lesen lange Zeit eine gewisse Distanz, da man über ihn zunächst nicht so viel erfährt.

Die Lektüre ist nicht nur emotional und sehr bewegend, sondern auch spannend. Die Handlung konnte mit einigen überraschenden Wendungen überzeugen.

Auch das Thema des Romans konnte mein Interesse wecken. Generell mag ich Geschichten mit historischem Bezug sehr gerne. Es war lehrreich, mehr über die Bauhaus-Künstler und die Umstände der damaligen Zeit zu erfahren.

Der Titel des Romans klingt nicht nur wundervoll, sondern passt inhaltlich auch hervorragend. Das Cover verströmt eine gewisse Nostalgie, trifft aber nicht ganz meinen Geschmack.

Mein Fazit:
„Wenn Martha tanzt“ von Tom Saller ist ein lesenswerter Roman, der bei mir für unterhaltsame Lesestunden gesorgt hat.

Die Grauen des Nationalsozialismus

Die Vergessenen: Roman - Ellen Sandberg

Manolis Lefteris, Mitte 40 und Autohändler in München, ist ein Mann für besondere Aufträge. In seinem aktuellen Fall soll er einer alten Frau, Kathrin Mändler, Akten wegnehmen. Die Seniorin, eine ehemalige Krankenschwester, befindet sich wegen eines Schlaganfalls gerade im Krankenhaus. Doch ihre Nichte, die Journalistin Vera Mändler, wird ebenfalls auf die Unterlagen aufmerksam und wittert eine gute Story. Manolis ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert hat ...

„Die Vergessenen“ ist ein Familienroman von Inge Löhnig, veröffentlicht unter dem Pseudonym Ellen Sandberg.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei hat das Buch drei Erzählstränge. Der Roman spielt außerdem auf zwei Zeitebenen: In der einen geht es um das Jahr 2013 in München, in der anderen um das Jahr 1944 in Winkelberg. Dieser Aufbau hat mir gut gefallen.

Der Schreibstil ist flüssig und gleichzeitig anschaulich. Trotz der eher hohen Seitenanzahl ließ sich das Buch daher schnell lesen.

Ich hatte ein wenig Probleme, in die Geschichte hineinzukommen. Nach dem packenden Prolog ist der Anfang des Romans eher schleppend, die ersten Kapitel dümpeln dahin. Bis richtige Spannung aufkommt, dauert es ungewöhnlich lange. Daher hatte die Geschichte für mich einige Längen. Erst relativ spät nimmt die Handlung richtig an Fahrt auf, deshalb konnte mich der Roman nicht sofort fesseln.

Die Figuren sind vielschichtig angelegt. Ich habe mich allerdings etwas schwer damit getan, mich mit den Hauptprotagonisten zu identifizieren oder Sympathie für sie zu entwickeln. Weder zu Manolis noch zu Vera konnte ich sofort einen Zugang finden. Das besserte sich aber im Verlauf des Romans.

Das Thema des Romans dagegen hat mich sofort angesprochen. Ich finde es wichtig, dass die Euthanasie während der Zeit der Nationalsozialisten auch literarisch verarbeitet wird, weil diese bisher nur wenig Berücksichtigung fand. Die Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg in einem Roman aufzugreifen, das war in meinen Augen eine gute Entscheidung. Das Buch ist dadurch erschütternd und regt zum Nachdenken an. Generell mag ich Geschichten sehr gerne, die auf wahren Begebenheiten basieren. Man merkt dem Roman zudem an, dass viel Recherche darin steckt.

Der Titel ist angesichts des Themas sehr treffend gewählt. Das Cover finde ich ansprechend.

Mein Fazit:
„Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg ist trotz kleiner Schwächen in der Umsetzung ein lesenswerter Roman zu einem wichtigen Thema. Es ist keine leichte Kost.

Eine Hommage an die Welt der Sprache

Der Wortschatz - Elias Vorpahl

„Wir dürfen die Menschen nicht nur verteufeln. Wir brauchen sie, sie lesen und schreiben uns. Sie lassen uns existieren.“ Diese Aussagen des Vaters kann ein Wort nicht glauben und auch nicht verstehen – bis es auf einmal durch ein traumatisches Erlebnis seinen Sinn verliert. Ganz allein muss sich das Wort auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt der Sprache machen. Auf der Suche nach sich selbst gilt es, einige Herausforderungen zu meistern.

„Der Wortschatz“ ist der ungewöhnliche Debütroman von Elias Vorpahl.

Meine Meinung:
Neben einem Pro- und einem Epilog besteht das Buch aus elf kurzen Kapiteln. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Wortes.

Nicht nur der Inhalt des Romans bildet die unterschiedlichen Facetten der Sprache ab, sondern auch sein Stil: Tolle Wortspiele, Sprachbilder, Metaphern und andere rhetorische Figuren konnten mich begeistern. Das erfordert zwar ein aufmerksames Lesen. Der Schreibstil hat mir aber gerade deswegen sehr gut gefallen. Er lässt auch etwas großzügiger darüber hinwegsehen, dass kein großer Verlag an dem Werk beteiligt ist und so einige Orthografie- beziehungsweise Tippfehler vor dem Druck unentdeckt blieben.

Die Grundidee des Romans, Worte lebendig werden zu lassen, finde ich außerordentlich kreativ und ungewöhnlich. Die Handlung, die mehrere Wendungen zu bieten hat, ist stimmig und bis zur letzten Seite schlüssig. Anrührende Szenen wechseln sich mit spannenden Passagen ab. Dabei wird die Geschichte zu keiner Zeit langatmig, sondern bleibt abwechslungsreich.

Neben den sprachlichen Aspekten, die auf mein persönliches Interesse stießen, werden auch philosophische Gedanken ausgesprochen. Das Buch regt zum Nachdenken an und liefert wichtige Denkanstöße. Ein weiterer Pluspunkt für mich.

Das Wort war mir schnell sympathisch, so dass ich mit dem Hauptprotagonisten mitgefiebert und die Geschichte sehr gerne verfolgt habe. Allerdings hatte ich aufgrund der Abstraktheit der Charaktere zeitweise etwas Probleme, mir die Figuren des Romans genau vorzustellen. Auch nach dem letzten Kapitel blieben für mich mehrere Fragen offen. Zum Beispiel: Warum haben einige Worte eine Tiergestalt und welche Gestalt haben die übrigen Worte? Gibt es jedes Wort und jedes Wörtchen nur einmal oder mehrfach? Zu diesen Fragen hätte ich mir weitere Details gewünscht. In diesem Punkt schwächelt die Umsetzung ein wenig. Einige Seiten mehr hätten dem Roman daher nicht geschadet.

Hilfreich sind beim Verständnis allerdings die allesamt geschmack- und liebevollen Illustrationen, die den Roman inhaltlich und optisch bereichern. Sie sind besonders und passen – wie auch das gelungene Cover – sehr gut zur Geschichte. Auch der Titel ist treffend gewählt und ganz nach meinem Geschmack.

Mein Fazit:
„Der Wortschatz“ von Elias Vorpahl ist ein einzigartiger und sehr kreativer Roman, in dem viel Liebe steckt. Es ist eine lesenswerte Geschichte – nicht nur für Sprachliebhaber und Fans des Genres Fantasy.

Ein hartes Leben im Yukon

Wie Wölfe im Winter - Tyrell Johnson

Vor sieben Jahren hat die 23-jährige Gwendolynn McBride, kurz Lynn, noch in Alaska gewohnt. Doch nach einem großen Krieg ist auch noch eine Grippeepidemie ausgebrochen und hat einen Großteil der Menschheit ausgelöscht. Mit ihrem Bruder, ihrer Mutter und ihrem Onkel kämpft die junge Frau nun auf einer kleinen Farm im Yukon nahe des Blackstone Rivers um ihr Überleben. Das Leben ist hart, der Winter eisig. Seit Jahren ist die Gruppe isoliert vom Rest der Welt. Dann taucht plötzlich ein Fremder auf. Die Familie nimmt Jax, den Verfolgten, bei sich auf. Doch in der neuen Welt ohne Nahrung, ohne Regeln und ohne Moral bringen sich Lynn und die anderen damit in Lebensgefahr.

"Wie Wölfe im Winter" ist der postapokalyptische Debütroman von Tyrell Johnson.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus vier Teilen, die wiederum in 46 Kapitel untergliedert sind. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lynn. Mehrfach gibt es Rückblenden in die Zeit vor der Epidemie.

Die Sprache ist bildhaft, flüssig und angenehm. Die detaillierten Beschreibungen der Szenerie haben mir ebenso gefallen wie die Darstellungen der Gedanken- und Gefühlswelt von Lynn, in die ich gut eintauchen konnte. Dem Autor gelingt es zudem, eine passende Atmosphäre zu schaffen.

Die Hauptprotagonistin ist ein reizvoller Charakter. Sie ist stark und taff und wurde mir dadurch schnell sympathisch. Zudem empfand ich ihre Entwicklung als einen Pluspunkt. Auch die anderen Figuren sind interessant und werden authentisch gezeichnet, bleiben jedoch zum Teil etwas blass.

Ich mag dystopische Geschichten sehr gerne, weshalb mich die Grundidee des Romans und das Setting sehr angesprochen haben. Tatsächlich konnte mich auch die Umsetzung überzeugen. Von Anfang an ist die Geschichte spannend, sodass mir der Einstieg sehr leicht fiel. Außerdem gibt es mehrere Wendungen. Die Handlung wirkt stimmig. Die geschaffene Welt der Zukunft ist interessant ausgestaltet und wirkt auf mich durchaus vorstellbar. Das beschriebene Szenario stimmt allerdings auch nachdenklich, sodass der Roman einige Denkimpulse geben kann.

Das reduzierte Design des Covers sieht sehr ansprechend aus und passt auch thematisch sehr gut. Der Titel mit der Alliteration ist ebenfalls geglückt und orientiert sich darüber hinaus nahe am amerikanischen Original („The Wolves of Winter“).

Mein Fazit:
Mit "Wie Wölfe im Winter" ist Tyrell Johnson ein spannender und kurzweiliger Roman gelungen, der mir unterhaltsame Lesestunden beschert hat. Vor allem für Fans von Dystopien ist das Buch absolut empfehlenswert.

Mysteriöse Ereignisse auf hoher See

Woman in Cabin 10: Thriller - Ruth Ware, Stefanie Ochel

Die Londoner Reisejournalistin Laura Blackwood, kurz Lo, ist Passagierin bei der Jungfernfahrt des exklusiven Luxuskreuzfahrtschiffs „Aurora Borealis“ durch die norwegischen Fjorde. Für sie ist die Fahrt eine gute Gelegenheit, ihrer Karriere bei einem Magazin auf die Sprünge zu helfen. Doch schon in der ersten Nacht auf See weckt sie ein Schrei aus der Nachbarkabine, der Nummer 10. Lo hört, wie etwas Schweres ins Wasser geworfen wird. Und plötzlich ist die junge Frau aus der anderen Kabine weg, mit der sie am Vortag gesprochen hat. Lo alarmiert den Sicherheitsoffizier. Doch dann sind alle Hinweise verschwunden, dass die andere Frau jemals an Bord war. Hat sich Lo etwa alles nur eingebildet? Oder ist tatsächlich etwas Schlimmes passiert?

„Woman in Cabin 10“ ist ein spannender Thriller der Autorin Ruth Ware.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus mehreren Teilen, die wiederum in Kapitel untergliedert sind. Außerdem werden immer wieder kurze Einschübe zwischen den Kapiteln eingestreut, zum Beispiel Mails. Erzählt wird überwiegend aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lo. Dieser Aufbau hat mir sehr gut gefallen.
Den flüssigen Schreibstil finde ich ebenfalls angenehm. Die Sprache ist klar und anschaulich. Gleichzeitig gelingt es gut, die Gedanken- und Gefühlswelt von Lo zu schildern.

Die Hauptprotagonistin wird authentisch dargestellt. Allerdings kommt sie unsympathisch rüber und sie hat mich teilweise etwas genervt. Mit einigen anderen Charakteren dagegen wurde ich schneller warm, obwohl diese größtenteils eher blass bleiben.

Durch den spannenden Einstieg bin ich gut in die Geschichte reingekommen und habe gespannt gelesen. Dann plätschert die Geschichte längere Zeit vor sich hin und hat einige Längen, bevor sie im weiteren Verlauf wieder fesselnder wird. Zum Ende hin konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Die Handlung ist stimmig. Dabei erwarten den Leser einige Wendungen. Auch die Auflösung wirkt auf mich glaubwürdig.

Cover und Titel sind nahezu identisch zum englischen Original und sagen mir beide zu. Sie sind ansprechend und passen gut zum Inhalt.

Mein Fazit:
„Woman in Cabin 10“ von Ruth Ware ist ein gelungener Thriller mit nur kleineren Schwächen, der mich gut unterhalten und für spannende Lesestunden gesorgt hat.

Was man an Regentagen machen kann

Das Glück an Regentagen - Marissa Stapley, Katharina Naumann

Seit Generationen lebt die Familie Summers am Ufer des St. Lorenz-Stroms. Mae Summers und Gabriel Broadbent sind zusammen im Summers‘ Inn in Alexandria Bay aufwachsen. Ein schwerer Schicksalsschlag verbindet die beiden. Am Fluss haben sie gemeinsam ihre erste Liebe erlebt. Doch eines Tages ist Gabe weg. Mae ist am Boden zerstört. Sie zieht nach New York City und beginnt ein neues Leben. Zehn Jahre später, kurz nach der Trennung von ihrem Verlobten, einem Betrüger, kehrt Mae zurück nach Alexandria Bay. Aber dort ist nicht so wie früher: Ihre Großeltern haben sich verändert.

„Das Glück an Regentagen“ von Marissa Stapley ist ein bewegender Roman, der von der Liebe, von Schicksalsschlägen und Geheimnissen erzählt.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus drei Teilen, die wiederum in mehrere Kapitel untergliedert sind. Zudem gibt es drei Rückblenden und einen Epilog. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven – zum Beispiel die von Mae und ihrer Großmutter. Dieser Aufbau spricht mich an, erforderte aber auch etwas Aufmerksamkeit beim Lesen. Letzteres gilt besonders auch im Hinblick auf die Zeitsprünge im Roman. Kreativ fand ich ebenfalls die Idee, Vorschläge für Regentage an den Anfang der Kapitel zu stellen.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und einfühlsam. Er gefällt mir sehr gut.

Auch inhaltlich konnte mich die Geschichte überzeugen. Die Hauptprotagonisten des Romans, Mae und Gabe, waren mir schnell sympathisch. Aber auch die Nebenfiguren fand ich super. Die Auswahl der Charaktere ist abwechslungsreich, denn es werden Personen aus unterschiedlichen Generationen in den Vordergrund gerückt.

Positiv finde ich auch, dass der Roman dadurch nicht nur eine, sondern gleich mehrere Schicksale erzählt. Es geht um Krankheit und Verlust, um Enttäuschungen und Missverständnisse, um Schuld und sonstige Schwierigkeiten in menschlichen Beziehungen, aber auch um die wahre Liebe. Diese unterschiedlichen Facetten machen das Buch vielschichtig und verleihen ihm Tiefe. Dabei ist der Roman emotional und gefühlvoll, ohne jedoch zu kitschig zu werden.

Das Cover ist sehr hübsch gestaltet und hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Auch der deutsche Titel, der etwas vom amerikanischen Original abweicht („Things to do when it’s raining“), ist passend gewählt und trifft meinen Geschmack.

Mein Fazit:
„Das Glück an Regentagen“ von Marissa Stapley ist ein Liebes- und Familienroman, der sich in Form und Inhalt positiv von anderen Büchern des Genres abhebt. Er hat für unterhaltsame Lesestunden gesorgt.

Wenn mehrere junge Frauen verschwinden

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?: Thriller - Megan Miranda, Elvira Willems, Cathrin Claußen

Nicolette Farrell, von ihren Freunden kurz Nic genannt, hat vor zehn Jahren ihrer Heimatstadt Cooley Ridge am Rand der Smoky Mountains in North Carolina den Rücken zugekehrt. Aber sie erinnert sich noch gut an die Nacht, in der ihre Freundin Corinne Prescott spurlos verschwunden ist. Nun erhält Nic plötzlich einen Brief ihres Vaters mit einer rätselhaften Botschaft: „Ich muss mit dir reden. Dieses Mädchen. Ich habe es gesehen.“ Damit kann nur Corinne gemeint sein. Nic fährt zurück in die alte Heimat, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Doch schon am selben Abend verschwindet erneut ein Mädchen…

„TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?“ ist ein Thriller von Megan Miranda.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus drei Teilen, die wiederum in Kapitel untergliedert sind, die je einen Tag umfassen. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Nic – und zwar nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern rückwärts: Von Tag 15 bis zurück zu Tag 1 kommt Stück für Stück ans Tageslicht, was seit Nics Rückkehr passiert ist. Dieser Aufbau hat mir von der Idee her sehr gut gefallen. Leider ist die Umsetzung meiner Ansicht nach nicht ganz gelungen, denn vor allem am Anfang fiel es mir schwer, in die Geschichte reinzukommen. Es dauert recht lange, bis sich ein wenig Spannung aufgebaut hat.

Auch der Schreibstil war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Er wirkt teilweise etwas abgehackt.

Mit Nicolette Farrell steht eine Hauptprotagonistin im Vordergrund, die zwar interessant ist. Leider wurde ich mit ihr allerdings nicht so richtig warm. Auch die übrigen Charaktere konnten mich nicht begeistern.

Nach dem sehr langsamen Start nimmt die Geschichte im Verlauf der Kapitel an Fahrt auf und wird packender. Die Handlung empfand ich als stimmig und glaubwürdig.

Das Cover mit der sehr prägnanten Schrift gefällt mir ganz gut, es macht neugierig. Auch der deutsche Titel, der sich stark vom amerikanischen Original („All the Missing Girls“) unterscheidet, ist treffend gewählt.

Mein Fazit:
„TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?“ von Megan Miranda ist in meinen Augen kein Thriller, sondern ein Spannungsroman, der sein Potenzial nicht ganz ausschöpft. Dennoch habe ich mich recht gut unterhalten gefühlt.